Gramiller hilft, besser abzuschneiden

Führungstrio Gramiller

Wie so häufig in Salzburgs Wirtschaft: Man kennt die traditionellen Firmennamen, doch kaum die oft jahrzehntelange Erfolgsgeschichte dahinter, geschweige denn das umfangreiche Leistungsportfolio, das in dieser Zeit erarbeitet wurde. So verhält es sich auch bei der Franz Gramiller & Sohn GesmbH. Der über hundert Jahre alte Familienbetrieb ist heute einer der größten Anbieter Österreichs von Produktions- und Verpackungsmaschinen für das Nahrungsmittelgewerbe und die verarbeitende Lebensmittelindustrie – mit einem ebenso einprägsamen wie mehrdeutigen Firmenmotto: „Besser abschneiden!“

Maßanzüge für die Nahrungsmittelproduktion

Gramiller in der Haunspergstraße 32 in Salzburg? Das sind doch jene mit der Kuh in der Auslage – und den Maschinen für Salzburgs Fleischerbetriebe? Ja, auch. Doch dieses Bild greift längst zu kurz. Das Unternehmen, heute in ein Handelshaus und eine Service-GmbH gegliedert, zählt österreichweit zu den führenden Anbietern von Maschinen für die gewerbliche und industrielle Lebensmittelproduktion sowie für automatisierte Schneide- und Verpackungstechnik – weit über das klassische Fleischereigewerbe hinaus, erklärt KommR Mag. Barbara Gramiller.

Sie führt das Unternehmen seit 2015 gemeinsam mit DI (FH) Gerhard Pockenauer bereits in der vierten Generation. So wie Seniorchef KommR Dr. Franz Gramiller ist Barbara Gramiller Mitglied im Seebrunner Kreis. Sie schätzt die Vordenker-Vereinigung für ihre vielfältigen Veranstaltungen und reichhaltigen Netzwerkmöglichkeiten.

Führungstrio Gramiller

Das über 100 Jahre alte Unternehmen wird in der vierten Generation geführt. Im Bild von links: Seniorchef KommR
Dr. Franz Gramiller, KommR Mag. Barbara Gramiller, DI (FH) Gerhard Pockenauer.

Die Weichen zum Erfolg früh gestellt

Die Anfänge des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1919 zurück. Damals befand sich der Betrieb noch am alten Schlachthof an der Salzach – entsprechend eng war die Verbindung zum Fleischereigewerbe. Und bis heute bildet dieser Bereich einen zentralen Schwerpunkt. Das von Franz Xaver Gramiller gegründete Ladengeschäft handelte zunächst mit Därmen, Häuten, Fellen und Gewürzen. Die wichtigsten Kunden waren Fleischerbetriebe. Doch schon in der ersten Gramiller-Generation wurden die entscheidenden Weichen gestellt: Gramiller & Sohn etablierten sich früh zum führenden Handelshaus für alle Produktionsmaschinen, die damals in Fleischerbetrieben zum Einsatz kamen. Dazu kam der Kundendienst für Wartung und Ersatzteile. Einen Einblick in diese frühe Mechanisierung ermöglicht übrigens das firmeneigene Museum im Keller des Firmengebäudes in der Haunspergstraße, das nach Voranmeldung besucht werden kann.

Sehr schnell passte sich das Unternehmen an die Bedürfnisse seiner Kunden und den technologischen Fortschritt an: Den rot lackierten gusseisernen Maschinen mit Riemenantrieb folgten Einzelmaschinen in Edelstahl und später ganze automatisierte Produktionsanlagen für die Industrie. Ein wichtiger Entwicklungsschritt wurde in den 70er-Jahren gesetzt: Neue Hygieneanforderungen und veränderte Konsumgewohnheiten eröffneten mit dem Einstieg in die Verpackungstechnologie die nächsten Expansionschancen.

Langjährige Kundenbeziehungen

„Manche Verträge mit Lieferanten bestehen seit über 70 Jahren!“, betont KommR Mag. Barbara Gramiller.

Gesamtausstatter für kleine und große Erzeuger

Heute arbeitet Gramiller mit zwölf Generalvertretungen – meist von deutschen Maschinenbauunternehmen – und beschäftigt rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Manche Verträge mit Lieferanten bestehen seit über 70 Jahren“, betont Barbara Gramiller und unterstreicht damit die langfristige Geschäftsstrategie des Unternehmens. Das Portfolio ist breit gefächert: Geliefert werden Maschinen für sämtliche Verarbeitungsschritte in der Fleisch- und Wurstproduktion, für Backtechnik und Käseherstellung, für vegane Produkte, aber auch für Tiernahrung und andere Bereiche. Zu den Kunden zählen dabei kleine Fleischereien oder bäuerliche Selbstvermarkter ebenso wie Großerzeuger in der Industrie. Hier sorgen eigene Anwendungstechniker und Automatisierungsexperten für die Integration der Maschinen in komplette vollautomatische Produktionslinien bis hin zur Verpackung. „Je größer die Anlage, desto mehr liefern wir Maßanzüge und übernehmen die Linienverantwortung auch im Service“, betont Barbara Gramiller. Ein Beispiel aus dem wachsenden „Convenience“-Segment: „Wir können Gesamtanlagen vom Kutter bis zum fertig verpackten Burger liefern“.

Seinen Ursprüngen treu bleibend, setzt man aber auch auf den gewerblichen Sektor, etwa als Gesamtausstatter für Fleischereien. Wer einen Betrieb eröffnen will, kann bei Gramiller eine ganze Werkstatt samt Ladenausstattung erwerben, mit Messern, Öfen, Brettern und sonstigen Utensilien. Bis heute ist die Beziehung zu Salzburgs Fleischereien eng: „Sie kommen gottseidank zu uns, wenn sie Maschinen brauchen“. Und auch Privatpersonen können bei Gramiller Geräte, Messer und andere Utensilien erwerben, da das Unternehmen auch im Einzelhandel tätig ist.

Gramiller Maschinenvorstellung

Gramiller & Sohn GesmbH ist einer der größten Anbieter Österreichs von Produktions- und Verpackungsmaschinen für das Nahrungsmittelgewerbe und die verarbeitende Lebensmittelindustrie.

Maßarbeit

„Je größer die Anlage, desto mehr liefern wir Maßanzüge und übernehmen die Linienverantwortung auch im Service.“, so die Unternehmerin.

Besser abschneiden als Stärke

Besondere Kompetenz hat sich das Unternehmen auch im Bereich „Slicing“, also automatisierter Schneidetechnik, sowie in der Verpackung erworben. Wer vor einer Selbstbedienungstheke für Wurst und Käse steht und zwischen verschiedenen SB-Verpackungen fein geschnittener Ware wählen kann, begegnet mit hoher Wahrscheinlichkeit Technologie, die von Gramiller geliefert wurde. Gerade hier hat sich das Unternehmen eine starke Marktposition erarbeitet. Maschinen schneiden und verpacken heute flexibel nach den wechselnden Bedürfnissen der Konsumenten – von der Familienpackung bis zu kleinen Portionen für Single-Haushalte. Ein starker Trend, wobei die Selbstbedienungsverpackung bereits auch bei kleineren Anbietern als Angebot für den eiligen Kunden angekommen ist.

Stabiler Markt, stabile Perspektiven

Um die Zukunft ist Mag. Gramiller nicht bange. „Gegessen wird immer“, sagt sie, und sieht ihr Unternehmen daher weniger den üblichen konjunkturellen Schwankungen unterworfen. Man ist in den Vorjahren stetig gewachsen und erwartet eine stabile Entwicklung. Und noch etwas stimmt optimistisch: Auch die fünfte Generation im Hause Gramiller zeigt bereits Interesse am Familienunternehmen - und an den Maschinen, die tagtäglich unsere Lebensmittel herstellen.

Fotos: Chris Rogl