Die Festspiele erfolgreich in die Zukunft führen
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Auf Einladung von Salzburgs Festspielpräsidentin Kristina Hammer konnten die Mitglieder des Seebrunner Kreises jüngst einen erkenntnisreichen Blick hinter die Kulissen der Salzburger Festspiele tun. Kristina Hammer berichtete über die Geschichte der Festspielhäuser ebenso wie über das Jahrhundertprojekt des Festspielbezirks 2030 und leistete erfolgreich Überzeugungsarbeit: Eine umfassende Sanierung und Erweiterung ist unumgänglich. Ein Nachbericht.
Eine Infrastruktur für Salzburgs kulturelle Identität
Es regnete plötzlich während eines Solistenkonzerts im Sommer 2018 in das Große Festspielhaus. Dies war der Auslöser für die geplante Sanierung des Festspielbezirks 2030. Die Bühnen- und Haustechnik im Großen Haus hat nach mehr als 60 Jahren das Ende ihres Lebenszyklus erreicht. Darüber hinaus fehlt in den Garderoben und Werkstätten der erfolgreichen Festspiele mittlerweile Platz an allen Ecken und Enden. 260 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten das ganze Jahr über für die Festspiele; im Sommer sind es bis zu 4.000. Doch die Räume, in denen die Maler, Schmiede, Schreiner, Weißnäher, Modisten, Schuhmacher und Kulissenbauer samt dem übrigen Personal - von den Künstlern ganz zu schweigen - arbeiten müssen, entsprechen bei weitem nicht mehr den heutigen Ansprüchen.
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Festspielpräsidentin Kristina Hammer.
Bild: SF/Jan Friese
Neue Werkstätten und sanierte Garderoben sowie eine erneuerte Bühnen- und Haustechnik in den Häusern sind ein Gebot der Stunde, wie Kristina Hammer nach der Führung durch das Haus deutlich machte: „Wenn wir jetzt nicht sanieren, verlieren wir möglicherweise die Spielerlaubnis.“ Land, Stadt und Bund haben daher gemeinsam mit den Festspielen ein Sanierungs- und Erweiterungspaket in Höhe von nunmehr 395 Mio. € geschnürt.
Gebaut wird in zwei Etappen. Die erste umfasst ab dem heurigen Herbst die Hohlraumherstellung für die Erweiterung der Werkstätten in den Berg und die Logistikspange. Ab Herbst 2028 wird das Große Festspielhaus saniert und das neue Werkstättengebäude errichtet. Noch keine Entscheidung ist für eine notwendige Ersatzspielstätte gefallen, da das Festspielhaus in den Sommern 2029 und 2030 geschlossen bleibt. Im Gespräch sind unter anderem Flächen der Stiegl-Brauerei und im Nonntal. In Überlegung ist auch eine temporäre Überdachung der Tribüne des Domplatzes, um auch bei großer Hitze und Schlechtwetter eine Bespielung des Domplatzes zu ermöglichen. In der zweiten Sanierungsphase sollen das Haus für Mozart und die Felsenreitschule um zusammen 85 Mio. € saniert werden. Diese Finanzierung ist noch ausständig.
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Das neue Festspiel- und Besucherzentrum, das Mäzen Hans-Peter Wild ermöglichte, wird mit Ende des heurigen Sommers fertig – „ein wichtiges Zeichen des Neuen“, wie Festspielpräsidentin Hammer betonte und eine „ganzjährige Einladung an alle Salzburgerinnen und Salzburger sowie die Besucher dieser schönen Barockstadt“. Rendering: © Architekturbüro Marte.Marte
Eine Chance für die Weiterentwicklung
In Zeiten knapper öffentlicher Budgets haben die Festspiele im Sanierungsbudget noch einmal 55 Mio. € eingespart, wie Präsidentin Hammer berichtete. Doch müsse man an einigen Punkten unbedingt festhalten, wie etwa der viel diskutierten Zulieferung über die neue Logistikspange im Mönchsberg. Die Zulieferung von Kulissen, Instrumenten und Technik wie bisher über die vielgenutzte Hofstallgasse sei aus Sicherheitsgründen nicht mehr tragbar. Der Status des Neutors als Weltkulturerbe bleibe durch die Baumaßnahmen unangetastet, was auch bereits durch eine unabhängige Welterbe-Verträglichkeitsprüfung (Heritage Impact Assessment oder kurz HIA)bestätigt wurde, betonte die Festspielpräsidentin.
Dass, wie so häufig in Salzburg, Großprojekte heftig diskutiert werden, beantwortete Kristina Hammer mit einem Appell: „Sehen wir doch einmal die positiven Seiten dieses Projekts!“, was die Besucher des Seebrunner Kreises mit kräftigem Applaus quittierten!
Denn immerhin wird hier eine kulturelle Infrastruktur für ganz Salzburg erneuert, betonte die Präsidentin. Man vermiete die Bühnen sogar öfter an externe Veranstalter als man sie selbst nutze. Das komme jährlich bis zu 850.000 Besuchern zugute; von den Osterfestspielen bis zur Mozartwoche, vom Adventsingen bis zu anderen Konzertveranstaltern. „Alle haben ein Anrecht auf eine moderne Haus- und Bühnentechnik!“. Und nicht zuletzt verwies Kristina Hammer auf den enormen wirtschaftlichen Wertschöpfungshebel, den die Festspiele darstellen. Das führende Musik- und Kunstfestival der Welt generiert jährlich eine Wertschöpfung von 250 Mio. € für Österreich. Davon fließen jährlich 96 Mio. € an Steuern und Abgaben an die öffentliche Hand zurück. Damit amortisiert sich eins der zentralen Infrastrukturvorhaben für Salzburgs Kultur und Wirtschaft schon innerhalb von fünf Jahren.
Der Eindruck dürfte nicht trügen: Sollten die Besucher aus den Reihen des Seebrunner Kreises nicht schon vorher von der Sinnhaftigkeit der umfassenden Sanierung überzeugt waren, dürften sie es jedenfalls nach dem engagierten Vortrag der Festspielpräsidentin sein: „Das ist doch eine Chance für Neues, für eine Weiterentwicklung in Salzburg. Wir werden auch diese Herausforderungen meistern!“.