Der große Weckruf für Europas Zukunft

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Vor 60 Jahren wurde der Seebrunner Kreis gegründet, der sich im Laufe der Jahre zum Think-Tank mit Ausrichtung auf Standort und Zukunftsfähigkeit entwickelt hat – ein Jubiläum in Zeiten des Umbruchs. So stand denn auch weniger die Historie des verdienten Vordenker-Clubs im Mittelpunkt, sondern die zentrale Frage, wie die aktuelle „Zeitenwende“ am besten zu bewältigen ist.

Der große Weckruf für Europas Zukunft

Kurator Philipp Schmölzer, der zahlreiche hochrangige Gäste aus Wirtschaft, Kultur und Politik im Großen Saal des Mozarteums begrüßen konnte, erinnerte daran, dass sich der Seebrunner Kreis seit jeher als positive, mitgestaltende Kraft für Wirtschaft und Politik verstanden habe. Nun aber gehe es mehr denn je um die Zukunftsfähigkeit des Standortes Salzburg, Österreichs und Europas – in Zeiten eines globalen Umbruchs. „Die Welt gerät nicht aus den Fugen, wie viele glauben, sondern unterliegt einer tiefgreifenden Transformation“, erklärte Kurator Schmölzer. Und dieser ist am besten mit mehr „Lust auf Zukunft“ statt Ängsten und Vorbehalten zu begegnen: „Der Seebrunner Kreis wird daher mehr denn je an einer positiven Erzählung arbeiten, die neue Kräfte mobilisiert. Es muss wieder nach vorne gehen, mit Zuversicht!“.

Kurator Schmölzer am Rednerpult

„Die Welt gerät nicht aus den Fugen, wie viele glauben, sondern unterliegt einer tiefgreifenden Transformation“, erklärte Kurator Schmölzer.

Neues Mindset, neue Dynamik

Einen Blick nach vorne, unterlegt mit einer durchaus kritischen Gegenwarts-Diagnose, warfen sodann Ehrengast Wilfried Haslauer, selbst einst Kurator des Seebrunner Kreises, und Keynote-Speaker Karl-Theodor zu Guttenberg in ihren Ausführungen und im Talk mit Servus-TV-Moderatorin Katrin Prähauser.

Wilfried Haslauer fasste die aktuelle politische und gesellschaftliche Dynamik im Begriff der „Zeitenwende“ zusammen und ortete damit verbunden eine tiefe Verunsicherung in der Bevölkerung über die zukünftige Entwicklung. Frühere Konstanten, etwa was die globale Machtverteilung und die wirtschaftlichen Verhältnisse betrifft, erodierten, es herrsche die Angst vor Wohlstandsverlust – aber auch vor der notwendigen Veränderung. „Wir brauchen jetzt dringend ein neues Mindset, sprich einen neuen unternehmerischen Pioniergeist“, rief Haslauer zu mehr Selbstvertrauen auf. Weshalb man sich auch mehr bewusst machen sollte, dass Salzburg nach wie vor das wirtschaftlich erfolgreichste Bundesland Österreichs darstelle, was auch so bleiben soll. Land und Stadt Salzburg sowie die Salzburg AG investierten immerhin demnächst eine Mrd. Euro in Infrastruktur, Wissenschaften, Wohnen und andere Bereiche.

LH Dr. Haslauer am Rednerpult

„Wir brauchen jetzt dringend ein neues Mindset, sprich einen neuen unternehmerischen Pioniergeist“, rief Haslauer zu mehr Selbstvertrauen auf.

Raus aus der Angst-Spirale

Ein inspirierendes Plädoyer „für Mut und Tatkraft in der Zeitenwende“ hielt schließlich eine der bekanntesten politischen Persönlichkeiten Deutschlands, Karl-Theodor zu Guttenberg. Der frühere Wirtschafts- und Verteidigungsminister Deutschlands ist heute Berater, Buchautor, Speaker, Medienunternehmer und vor allem Experte und USA-Kenner an der Schnittstelle von Geopolitik, Technologie und Wirtschaft. Er empfahl einen dringenden Perspektivenwechsel, „raus aus der Angst- Spirale nach unten“, weg aus der Risiko-Aversion, die in Europa, im Unterschied zu den USA und Asien, vorherrsche.

Keynote Karl-Theodor zu Guttenberg

Ehrengast Karl-Theodor zu Guttenberg empfahl einen dringenden Perspektivenwechsel, „raus aus der Angst- Spirale nach unten“, weg aus der Risiko-Aversion, die in Europa, im Unterschied zu den USA und Asien, vorherrsche.

Proaktives Handeln und kein passives Abwarten

„Was sich gerade in den USA abspielt, zwingt uns zum Handeln. Sich vor Trump zu fürchten, ist der völlig falsche Ansatz. Man muss dem Deal-Maker auf Augenhöhe begegnen.“, so zu Guttenberg.

Zwar habe nun die Wahl Trumps eine gewisse Schockwelle in Europa ausgelöst, doch könnte die kommende Politik Trumps mit Zoll-Drohungen, bilateralen Deals und der möglichen Infragestellung der bisherigen atlantischen Partnerschaft genau der große Weckruf für Europa sein, seine Kräfte zu bündeln und die Schwachpunkte zu bereinigen. Etwa, seine Verteidigung selbst in die Hand zu nehmen, die Abhängigkeit bei Energie und Technologie zu beseitigen und wieder Wettbewerbsfähigkeit zu gewinnen. Das sei die gute Nachricht an der Wahl Trumps: „Was sich gerade in den USA abspielt, zwingt uns zum Handeln. Sich vor Trump zu fürchten, ist der völlig falsche Ansatz. Man muss dem Deal-Maker auf Augenhöhe begegnen.“

Podiumsdiskussion

Im Anschluss an die Keynotes moderierte Katrin Prähauser den Talk mit Wilfried Haslauer und Karl-Theodor zu Guttenberg.

Trotz allem, eine Welt voller Chancen

Europa habe nach wie vor den Werkzeugkasten, um bei den großen Megatrends wie Mobilität, Urbanisierung, Gesundheit und Technologie als Treiber von Entwicklungen mitzumischen – sofern jetzt die Hausaufgaben gemacht werden. Dazu müsse sich freilich auch etwas in den Köpfen ändern: „Was vor uns liegt, sind Challenges, Herausforderungen, nicht Probleme!“, schloss Guttenberg.

Gemeinsam mit den nächsten Generationen vordenken

Sie haben alle einen Plan und eine Vorstellung von der Zukunft. Sie wollen Hubschrauber fliegen, möglichst oft Skifahren, Anwältin werden, sie mahnen mehr Öffis ein oder wollen später mal die Firma vom Papa übernehmen. Unbekümmert, neugierig und direkt wachsen sie in ihr künftiges Leben hinein.

Daniel Ronacher und Christoph Handl, Gründer und Eigentümer der Salzburger Filmproduktion SolidShot, haben mit ihrem Film ein erfreuliches Stück Zukunftshoffnung abgeliefert. Selbst der Star-Referent des Abends, Karl-Theodor zu Guttenberg, hat die erfrischenden Aussagen der Kinder als eine Empfehlung zu mehr Zuversicht aufgenommen. „Vordenken, das wollen wir, aber nicht allein. Wir wollen die mitnehmen, die Zukunft so stark betrifft. Unsere Kinder“, stellte die stellvertretender Kuratorin des Seebrunner Kreises, Anna Doblhofer-Bachleitner, im Intro zum Film fest.

Diese Botschaft ist angekommen, wie der begeisterte Applaus der Festgäste im großen Saal des Mozarteums bewiesen hat. „Kinder sind in ihrer Wahrnehmung und Ausdrucksweise oft ehrlich und unvoreingenommen, was uns dazu bringt, Dinge zu erkennen oder zu hinterfragen, die wir sonst vielleicht ignorieren oder vermeiden würden“, macht Daniel Ronacher den Reiz des Videos deutlich.

Die Filmproduktion aus Salzburg, mit Daniel Ronacher und Christoph Handl an der Spitze, sowie ihrem Team aus kreativen Köpfen, sieht sich einem besonderen kreativ Auftrag verpflichtet, der auch zum Erfolgsrezept wurde: „Wir erschaffen Erlebnisse, die nachhaltig wirken – Geschichten, die helfen, einen tieferen Sinn zu finden und zu kommunizieren“, erzählt Christoph Handl. Das ist dem jungen Team von SolidShot gelungen – sie haben einen Lichtblick in nicht ganz einfachen Zeiten geschaffen!

Auftritt Michi Frankenberger und Dodo Muhrer

Auftritt von Dominic Muhrer und Michael Frankenberger mit dem extra für die Feier komponierten Song "Sitz di her".

Künstlerische Zukunftsperspektiven an dem Abend liefterten Sänger, Multi-Instrumentalist und Produzent Dominic Muhrer, bekannt durch seine Band The MakeMakes und seinem aktuellen Projekt Bonjour, und der weltweit erfolgreiche Filmkomponist und Musik-Produzent Michael Frankenberger. Sie komponierten eigens für die 60-Jahr-Feier den bewegenden Song „Sitz di her“, der im Mozarteum seine Premiere erlebte und dazu aufruft Gräben zu überwinden sowie durch gemeinsamen Dialog, widrigen Umständen trotzend, aktiv zu werden und die Zukunft zu gestalten, aufdass es eine gute Zukunft wird.

Fotos: Manuel Horn Photography